{{ tweet.login }}

{{{ tweet.body | format }}}

Wird geladen...

×
×

Erwähnungen

×

Benachrichtigungen

Inhalt

Die Flüchtlingskrise war nur der Anfang. In naher Zukunft hat Deutschland Transitzonen an seinen Grenzen errichtet. Tausende Flüchtlinge warten in großen Lagern. Auf Einbürgerung oder ihren Rücktransport. Längst wurden die Menschen in den rechtsfreien Slums sich selbst überlassen. Die Situation brodelt, droht ständig zu eskalieren. Brachiale Polizeikorps halten die wütenden Transits auf Abstand. In den Reihen der staatsübergreifenden Einsatzkommandos steht auch Volt (Benno Fürmann), der im nächtlichen Einsatz eine folgenschwere Tat begeht: Volt tötet den Flüchtling Hesham (Tony Harrisson). Das Verbrechen bleibt zeugenlos, doch aufkeimende Schuld beginnt ihn zu zerfressen, treibt Volt zunehmend und immer tiefer in die Welt seines Opfers bis in die Arme von LaBlanche (Ayo), der Schwester des Toten. Er beginnt ihr zu folgen. Zuerst als Retter, dann als Freund. Doch immer als Lügner. Tagsüber als Polizist an der Frontlinie, nachts auf der anderen Seite. Volt muss sich entscheiden, auf welcher Seite er steht, denn die Unruhen in Folge seiner Tat beginnen zu eskalieren ...

Kritik

Es war Frauke Petry, Bundes- und Fraktionsvorsitzende der AfD, die sich für innerdeutsche Transitzonen in Grenznähe aussprach, um die Prüfung von Asylberechtigungen zu beschleunigen. Ehrlicher, weil weniger euphemistisch, brachte AfD-Politikerin Beatrix von Storch ihre Meinung zur Flüchtlingskrise zum Ausdruck: Männer, Frauen und Kinder müssen an der Grenze mit Waffengewalt gestoppt werden. Auch die Schwangeren. Natürlich ruderte Von Storch schnell wieder zurück und erntete für ihre Erklärung, auf der Maus ausgerutscht zu sein, reichlich Spott. Verdientermaßen. Dass es solche Auffanglager bereits gibt, das berühmteste davon steht wohl in Ungarn, ein Containerdorf, in dem die Menschen zusammengepfercht verzweifelt darauf warten, dass ihr Asylverfahren entschieden wird, darf dabei nicht unter den Tisch fallen. Oftmals erscheint es so, dass jene Zwangseinrichtungen nur einem Zweck dienen: Menschen abzulegen, um sie schnellstmöglich in Vergessenheit geraten zu lassen. 

In Volt von Tarek Ehlail (Gegengerade) sind Transitzonen innerhalb der Bundesrepublik bereits beschlossene Sache. Graue, verfallene Betonklötze, die an einen sich zersetzenden Industriekomplex erinnern, dienen hier als Unterkunft für Flüchtlinge, die weitestgehend auf sich allein gestellt sind. Gelegentlich organisiert sich ein Polizeitrupp, der das Areal stürmt – Recht und Ordnung allerdings bleiben hier ein Trugschluss. Deutlich wird das, als der titelgebende Volt (Benno Fürmann, Nordwand) einen Flüchtling im Affekt erwürgt, nachdem dieser ihn mit einem Messer angegriffen hat. Von dort an ist es Tarek Ehlail daran gelegen, die stetig wachsenden Schuldgefühle des Brutalo-Polizisten einzufangen, findet dafür allerdings nur wenig sinngebende Bilder: Ein nackter Volt, der schattenboxt. Ein todessehnsüchtiger Volt, der sich beim Motorradfahren überschlägt. Impressionen, denen sich das Kino schon seit Jahren mehr oder weniger überdrüssig präsentiert. 

Sicherlich ist das auch das größte Problem, mit dem Volt zu ringen hat: Seine Eindimensionalität. Die Thematik, die hier oberflächlich als dystopisches Planspiel gelegentlich durchaus suggestiv auf den Zuschauer einwirkt, wenn Tarek Ehlail seine Geschichte in umgreifende Düsternis, aufscheuchendes Neonlicht und ein wummerndes Technogewitter hüllt, bleibt inhaltlich weitestgehend unbehandelt. Es scheint beinahe so, als würde es Volt reichen, in seinem, oftmals palaktiven, Stilwillen Michael Mann (Miami Vice) und Nicolas Winding Refn (Drive) den Hof zu machen, anstatt das innere Zerwürfnis des Hauptdarstellers in einen klaren Kontext mit der politischen Situation zu bringen, deren Wurzeln nun mal in unserer Gegenwart wuchern. Tarek Ehlail verlässt sich auf grelle, formalistische Schauwerte, vergisst aber das Potenzial tagesaktueller Gewissensfragen auszuschöpfen. Er spricht von Schuld und einer von Empathie freigeräumten Gesellschaft, verpflichtet sich aber fast ausschließlich einem vor Klischees triefenden Ästhetizismus.

Fazit

Uninteressant ist "Volt" nicht. Ganz im Gegenteil. Wenn Tarek Ehlail sich tiefergehend mit seiner Thematik auseinandergesetzt hätte, könnte dem Film sogar etwas Prophetisches anheimfallen. So allerdings bleibt "Volt" vor allem der palaktive und eindimensionale Versuch, ein kontroverse Thema mit den Mechanismen des Genre-Kinos aufzubereiten.

Autor: Pascal Reis

Wird geladen...

×