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Dieses Portrait zeigt den umstrittenen österreichischen Filmemacher Ulrich Seidl zum ersten Mal bei der Arbeit. Die Kamera schaut Seidl bei den Dreharbeiten zum aktuellen Kinofilm »Im Keller« geduldig über die Schulter und beobachtet ihn bei den Proben zu seiner jüngsten, provokanten Theaterinszenierung »Böse Buben/Fiese Männer«. Es wird deutlich, wie sehr Seidls gesamtes Schaffen selbst eine Suche ist, bei der er sich vom »Realen« genauso leiten lässt wie von seinen eigenen Visionen und Dämonen.

Kritik

Zuletzt führte uns Ulrich Seidl mit seinem durch das Österreichische Filminstitut geförderten „Im Keller“ in die schattenhaften Tiefgeschosse seines Mutterlandes und präsentierte uns anhand beschiedener Beispiele, wie der Keller für viele Menschen zum Ort der Verwirklichung wird. Die darin verhaftete Rückkehr zum Dokumentarismus, dem Seidl in seiner „Paradies“-Trilogie nahezu vollständig den Rücken gekehrt hat, bewies sich erneut als effektives Mittel, um einen ungefilterten Blick in menschliche Abgründe zu wagen – Ein Motiv, welches sich wie ein roter Faden durch das Schaffen des Österreichers zieht. Und natürlich ist es interessant in Erfahrung zu bringen, was Ulrich Seidl konkret daran interessiert, das Angstbringende als auch das Erfüllende, am besten noch im reziproken Verhältnis zueinander, im Menschsein an das Tageslicht zu schöpfen. Constantin Wulff geht diesem Aspekt nun in „Ulrich Seidl und die bösen Buben“ nach, er sucht die Nähe zum künstlerischen Schaffensprozess, der „Methode Seidl“, um sowohl seine Filme, als auch den Autorenfilmer ganz persönlich, in einem neuen, noch intimeren Licht erstrahlen zu lassen. Das Projekt allerdings ist dahingehend gescheitert, dass Constantin Wulff hier niemals derart in selbstreflektorische Tiefe dringt, als dass er wirklich neue Erkenntnisse über Ulrich Seidl und sein doch recht spezielles, aber immerzu sinnstiftendes Filmverständnis zu Tage fördert.

Gerade für bekennende Ulrich-Seidl-Verfechter bleibt „Ulrich Seidl und die bösen Buben“ zwar nicht gänzlich uninteressant, dem Meister hört man halt immer gerne zu, wenn er seine Ansichten preisgibt, doch etwas ernsthaft Gewinnbringendes vermag Wulff nicht aus seinem Arrangement aus Interview-Schnipseln und Film- wie Theater-Ausschnitten destillieren. Wer Filme wie „Jesus, du weißt“ oder „Import/Export“ gesehen hat, der hat unlängst erkannt, dass Seidl ein Genie darin ist, das Versteckte, das Verdrängte und das Verachtete verschiedener gesellschaftlicher Gefüge in einer ganz besonderen, charakteristischen Schamlosigkeit zu artikulieren und diese damit auch offenzulegen.Es benötigt keine 50-minütige Dokumentation, die den Zuschauer noch einmal darüber informiert, dass Ulrich Seidls Hyperrealismus entlarvende Tendenzen mit sich bringt. „Ulrich Seidl und die bösen Buben“ fehlt die Vertraulichkeit zum Sujet, die er nur allzu gerne vorgibt. Was treibt Ulrich Seidl an? Was strengt ihn an? Was fasziniert ihn? Was bedrückt ihn? Diesen Fragenkatalog mit Floskeln zu beantworten, wie, dass immer auch ein Teil von Ulrich Seidl Persönlichkeit in seinen Werken zu finden ist, ist an dieser Stelle zu wenig – diese Erleuchtung ist dem Zuschauer mit Sicherheit auch schon in den Schoß gefallen, gerade weil es sich bei Seidl doch um einen unverkennbaren Autorenfilmer handelt.

Fazit

„Ulrich Seidl und die bösen Buben“ ist zwar kein gänzlich misslungenes, aber doch ein gescheitertes Projekt, welches vorgibt, sich mit Ulrich Seidl und seiner Vision von Film auseinanderzusetzen, es aber nicht vollbringt, über Allgemeinplätze hinauszuwachsen. Wer sich nur einen Film von Ulrich Seidl ansieht, bekommt weit mehr Erkenntnisse über den Filmemacher geboten, als es mit dieser Dokumentation der Fall ist.

Autor: Pascal Reis

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