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Inhalt

Der junge New Yorker Polizist Danny Ciello hat es binnen kürzester Zeit zum Detective des Rauschgiftdezernats gebracht und ist der Star seiner Abteilung. Tagtäglich begibt er sich bei seiner Arbeit in eine Grauzone zwischen Gesetz und Verbrechen. Als Ciello eines Tages der Korruption überführt wird, soll er die internen Ermittlungen unterstützen und dafür straffrei davonkommen. Aus Loyalität gegenüber seinen Kollegen zögert der einst idealistische Cop zunächst, doch schließlich entscheidet er sich, die unbequeme Rolle des Spitzels zu übernehmen - allerdings nur unter der Voraussetzung, dass seine engsten Partner nicht in die Sache verwickelt werden. Das ist jedoch leichter gesagt als getan: Schon bald muss Ciello feststellen, dass er niemanden trauen kann und die Grenze zwischen Freund und Feind endgültig verschwimmt...

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Kritik

„Ich kenne das Gesetz. Das Gesetz kennt die Straße nicht.“

Sie schweben über den Dingen. Niemand kann ihnen ans Bein pissen. Sie, das sind Polizeiermittler Daniel Ciello (Treat Williams, Es war einmal in Amerika) und seine eingeschworenen Einheitskameraden des New Yorker Rauschgiftdezernats. Über die Freiheiten ihrer erfolgreichen Arbeitsmethoden entscheiden sie selber – und wenn ein Drogendealer überführt werden muss, dann erpresst man einfach einen seiner Käufer oder Konkurrenten mit dem entsprechenden Stoff. Kurz nachdem man sich selber ein kleines Näschen gegönnt hat, versteht sich. Natürlich nur aus dem Grund, um sich über die Wirkung der Narkotika zu informieren. Sidney Lumet (Die zwölf Geschworenen) verfolgt diesen Haufen selbstgefälliger Mannsbilder mit dem gleichen Ekel, der einst Frank Serpico (Al Pacino, Der Duft der Frauen) angetrieben hat, die Korruption innerhalb des hermetisch von der Außenwelt abgeschirmten Polizeiapparats aufzudecken.

Das attitüdengleiche Gegockel allerdings findet bald sein jähes Ende, nachdem Ciello von der Staatsanwaltschaft überführt wird und das einmalige Angebot bekommt, ungeschoren aus der Sache wieder herauszukommen, wenn er mit der zuständigen Ermittlungsbehörde zusammenarbeitet. Er willigt ein, allerdings nur unter der Bedingung, dass er seine Kameraden, seine Freunde, nicht ans Messer liefern muss, denn: Mit seiner Frau schläft man, mit seinen Partner lebt man. Auch das Rattendasein kennt seine Grenzen, vor allem dann, wenn die Sache persönlich wird. Mit dem Augenblick, in dem Ciello sich dazu bereit erklärt, den eigentlich rechtschaffenen Arm des Gesetzes als Spitzel zu infiltrieren, dokumentiert der sich oftmals in tiefblaue Farben wähnende Prince of the City in all seiner chirurgischen Präzision, wie es sein muss, dem Regelwerk einer Welt entgegenzustreben, die einem doch eigentlich alles bedeutet.

Sidney Lumet, der bereits in Serpico ganz und gar meisterhafte aufzeigt, wie sich der unverwüstliche Gerechtigkeitssinn der Hauptfigur in einem privaten wie beruflichen Martyrium entlädt, erzählt auch Prince of the City als innerseelisches Drama. Treat Williams mag kein Al Pacino, dem die Rolle des Daniel Ciello zuerst angeboten wurde, sein, doch man merkt, wie er als Schauspieler mit der Erschöpfung seines Charakters wächst: Zu Anfang noch überzeichnet grinsend, sich auf seiner angeblichen Unantastbarkeit bettend, versteinert die Mimik von Williams von Minute zu Minute zusehends und ergibt nach der fast 170-minütigen Laufzeit das Gesicht eines Mannes, der durch die Hölle gehen musste. Wenn Ciello als nervöses Wrack in einem Sessel sitzt, unfähig, ein normales Gespräch zu führen und die Dosis täglicher Medikamente stetig erhöht, dann dringt Sidney Lumet tief in die psychologischen Verwüstungen dieser ambivalenten Figur vor.

Prince of the City ist ein Film, der sich in gnadenloser Ausführlichkeit mit den Grundzügen der Moral beschäftigt; der in zermürbender Konzentration aufzeigt, dass es als Polizist keine Individual-, sondern nur eine Kollektivmoral geben kann. Und Ciello möchte sich dem Ethos des Gesetzesdieners wieder annähern, er möchte die Ideale, die ihn einst dazu bewogen haben, sich für diesen Beruf zu entscheiden, rekapitulieren, ist allerdings so tief im Sumpf aus Bestechlichkeit und Opportunismus versackt, dass ihm nur noch die von Paranoia befeuerten Ängste bleiben, jemand könnte ihn enttarnen und kurzerhand umbringen. Ängste, die nicht selten im Suizid enden. Die epische Breite, mit der Sidney Lumet sein Meisterwerk anlegt, fordert dabei die maximale Aufmerksamkeit des Zuschauers ein: Prince of the City entfaltet sich allein über Dialogsequenzen; über ein Protokoll emotionalen (Selbst-)Zerstörung und moralischen Abbitte.

Ciello möchte Buße für seine Taten tun, deswegen gibt er sich in unzähligen Stunden mit Sonderemittern, dem Finanzamt, den Scharen von Anwälten und ihren Vertretern ab; wälzt sich mit ihnen durch Akten und Tonbandaufnahmen und lässt sich tagtäglich unter Personenschutz stellen, was das Familienleben noch weiter davon abhält, einen Funken Normalität zurückgewinnen zu können. Ciello riskiert alles, um sein Karma-Konto rehabilitieren zu können, zahlt dafür aber den Preis der nervlichen Zertrümmerung, die der Umstand der Vergebung zwangsläufig mit sich bringt. Und Sidney Lumet folgt dieser Zertrümmerung in einer subkutanen Sachlichkeit, die das umfangreiche Porträt eines Menschen, der in der Wahrheit noch nur Lügen fühlt, so lange hat er sich nicht mehr mit dieser befasst, unvergesslich plastisch gestaltet. Die Genauigkeit, mit der hier behördliche wie kriminelle Prozesse kontextualisiert werden, um die Lebensrealität der Figuren greifbar zu machen, wurde danach nur noch im HBO-Meilenstein The Wire erreicht.

Fazit

Eines der ganz großen Meisterwerke des frühen 1980er Jahre Kinos. Leider in Vergessenheit geraten, aber heute unbedingt wert, wiederentdeckt zu werden. Sidney Lumet inszeniert mit "Prince of the City" ein eindringliches Beispiel für brillantes Drehbuchkino: Ganz und gar charaktergetrieben fühlt sich der Film unnachgiebig in das verwüstete Seelenleben seiner Hauptfigur ein, in dem er mit einem Höchstmaß an stofflicher Genauigkeit die behördlichen wie kriminellen Prozesse durchleuchtet.

Autor: Pascal Reis

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