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Inhalt

Ein Priester (Donald Pleasence) entdeckt im Kellergewölbe einer alten Kirche in L.A. eine hohe, verschlossene Glassäule, in welcher eine absonderliche, grün leuchtende Flüssigkeit umherwirbelt. Er bittet einen Quantenphysiker um Hilfe: Mit einem Team aus Forschern soll Professor Birack (Victor Wong) die Säule untersuchen. Als die Gruppe – darunter die Doktoranden Brian (Jameson Parker) und Catherine (Lisa Blount) – mit der Arbeit beginnt, fördert sie bald höchst Besorgniserregendes zutage; zudem machen mehr und mehr Mitglieder des Teams eine schaurige Metamorphose durch…

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Kritik

„Pray for dead!“

Der schwere finanzielle Misserfolg von Das Ding aus einer anderen Welt (1982) setzte John Carpenter damals massiv zu. Es war ein Herzensprojekt, welches heute verdient zu den ganz großen Klassikern des modernen Horror- und Science-Fiction-Kinos zählt, damals jedoch von der Kritik verspottet und vom Publikum mit der kalten Schulter abgestraft wurde. Das warf den neuen Stern am Genre-Himmel lange aus der Bahn. Nach der mehr oder weniger aus der Unsicherheit geborenen Stephen King-Adaption Christine (1983) probierte er sich anderweitig aus. Doch weder die angenehm erwachsene E.T.-Variante Starman (1984) noch das knallige Fantasy-Spektakel Big Trouble in Little China (1986) konnten ihn in die Erfolgsspur zurückbringen. Gerade letzterer spielte nicht einmal die Hälfte seines 25 Millionen $ Budgets ein. Schlussendlich ging Carpenter genau den richtigen Schritt: Unterm Strich ist es doch egal, mit was ich keinen Erfolg habe. Dann mache ich doch lieber das, womit ich mich richtig wohl fühle und was ich für relativ wenig Geld umsetzen kann. Die Geburtsstunde von Die Fürsten der Dunkelheit. Der verlorene Sohn ist wieder daheim. Da, wo er hin gehört. Und warum das so ist, dafür ist es der beste Beleg.

Das Mittelstück seiner inoffiziellen Weltuntergangs-Trilogie (begonnen mit Das Ding aus einer anderen Welt und 1994 abgeschlossen mit Die Mächte des Wahnsinns) ist ein waschechter Carpenter, vollgestopft mit Referenzen an seine eigene, filmische Prägung. So huldigt er den legendären HAMMER-Studios gleich in doppelter Hinsicht: Der Originaltitel Prince of Darkness ist sicherlich nicht zufällig identisch mit dem von Blut für Dracula (im Original: Dracula – Prince of Darkness), er verfasste auch noch das Script unter dem Pseudonym Martin Quatermass, was auf eine der bekanntesten Reihen von HAMMER anspielt. Sonst zitiert sich Carpenter durchgehend selbst, bzw. schon frühere Inspirationsquellen. Donald Pleasence in der Rolle des Priesters heißt Loomis, so wie einst schon in Halloween – Die Nacht des Grauens. Zudem erinnert das ganze Szenario stark an Das Ding aus einer anderen Welt oder auch Assault  - Anschlag bei Nacht. Zwei von Carpenter’s größten Hits, die jedoch bereits eine Hommage an Lieblinge seiner Jugend waren: Die Howard Hawks-Klassiker Das Ding aus einer anderen Welt von 1951 und Rio Bravo (1959).

Freunde von Querverweisen und Verbeugungen (wenn auch ein Stückweit vor sich selbst – aber wer es kann…) dürfen schon mal fleißig ihr Fachwissen zur Schau stellen, aber auch abseits davon ist Die Fürsten der Dunkelheit eine Wohltat. Obwohl alle Arbeiten von Carpenter bis dahin mindestens überdurchschnittlich waren, dass er nach dem persönlichen Tiefschlag 1982 irgendwie seinen Flow, seine Selbstverständlichkeit im Erschaffen von Großem verloren hatte, das lässt sich kaum leugnen. Das Kommerzielle ganz abgesehen, denn Zahlen lügen nun mal nicht. Die Not brachte ihn zurück zu seinem Krafttier. Ohne finanziellen Druck, rein konzentriert auf seine Stärken, strahlt dieser Film von der ersten Minute bereits wieder dieses Selbstvertrauen aus. Atmosphärisch sofort dominant stört er sich in der Folge auch nicht an theoretisch angreifbaren Details. Ein faktischer No-Name-Cast (bis auf Donald Pleasence hat keiner davon die 80er im Gedächtnis entscheidend überlebt) wird in ein nicht ganz taufrisches und mit teilweise seltsamen Dialogzeilen versehenes Szenario verfrachtet, das dafür aber inszenatorisch wirklich alles herauspresst.

Zu pumpend-bedrohlichen Synthesizer-Klängen mit sakralem Einschlag entpuppt sich das Mekka der Dunkelheit als eine längst geschlossene Kirche mitten im Großstadtghetto, in deren Katakomben sich die Zeitkapsel der Verdammnis befindet. Sobald sich eine Gruppe von Wissenschaftlern und einem Geistlichen zur Erforschung des mysteriösen Artefakts eingefunden hat, beginnt da draußen das Zusammenrotten. Die Ausgestoßenen der Gesellschaft, sie bilden die Armee des Antichrist (unter ihnen auch Schock-Rocker Alice Cooper, Wayne’s World). Carpenter zitiert sich nicht nur fleißig durch Klassiker des Genre-Kinos, er attackiert durchaus auch im Subtext gesellschaftliche Umstände. Eine Kirche – eigentlich ein Zufluchtsort für Bedürftige – wird zum Fort. Die Armen werden zu Soldaten des Bösen, während der Vertreter der Institution in einer Luxus-Karosse vorfährt. Generell werden bald blasphemische Ideen auf den Weg gebracht. Alien-Jesus gegen den wahren Propheten. Schräg, aber so wie Carpenter es verkauft – auch weil er es nicht in das Zentrum stellt, sondern nur als Aufhänger für seine Umsetzung verwendet, quasi sein MacGuffin -, ein wenigstens mutiger Schritt. Am Ende verdient sich Die Fürsten der Dunkelheit all seine Sporen über das Emotionale, das Bedrohliche, das Handwerkliche, das Gespenstische - also über das Steckenpferd seines Schöpfers. Da lässt er die Muskeln spielen und zeigt der Maschinerie des Big-Budget-Kinos, in die er sich mal versuchte zu integrieren, überlegen den Stinkefinger.

"In fact, you´ll not be safed!"

Fazit

Jesus ist von einem anderen Stern, der Teufel haust im überdimensionalen Einmachglas und am Ende wird die Welt untergehen – denn Träume lügen nicht. Niemand anderer als John Carpenter hätte „Die Fürsten der Dunkelheit“ zu dem machen können, was er  - nüchtern betrachtet etwas überraschend – geworden ist. Eine Rückbesinnung auf die eigene Stärke. Ein furchtbar beklemmendes, apokalyptisches Schreckens-Szenario. Fantastisch inszeniert, atmosphärisch kaum hinter seinen stärksten Arbeiten anzusiedeln. Detailfragen, über die lässt sich streiten. Für ein Comeback ohne Mittel und Unterstützung eine große Leistung. So was machst du nicht, weil du es musst. Sondern weil du es willst und kannst.

Autor: Jacko Kunze

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