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Danny Balint ist ein junger jüdischer Mann, der in New York lebt. In den Nächten studiert er religiöse Schriften und lehrt hebräisch, während sich tagsüber eine komplett unterschiedliche Persönlichkeit herauskristallisiert. Danny wird von einer Kraft magnetisiert, die im völligen Gegensatz zu seinem Erbe steht: Neo-Faschismus. Basierend auf wahren Ereignissen erzählt dieser überraschende Psycho-Thriller vom Abtauchen in eine Welt der Gewalt. Aber es ist nicht nur die Gewalt in den Straßen, sondern die innere Gewalt und der Kampf in ihm selbst, einem Mann, der nicht aus seiner jüdischen Identität fliehen kann.

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Quelle: themoviedb.com

Kritik

„Hätte es Hitler nicht gegeben, die Juden hätten ihn erfunden.“

Danny Balint (Ryan Gosling, Only God Forgives) ist von einem derartig inbrünstigen Selbsthass getrieben, dass er nur auf eine Art und Weise mit der Welt um sich herum in Verbindung treten kann: Mit noch mehr Hass. Jedes Mal, wenn er sich dazu entscheidet, Gewalt gegen seine Mitmenschen anzuwenden, dann ist diese Gewalt auch immer eine gegen ihn selbst gerichtete. Was Danny so mit unkontrollierter Wut erfüllt, ist seine Identität: Er ist Jude und gleichzeitig der Überzeugung, dass es die Juden sind, die die Seele Amerikas zerstört haben. Wenn Danny auf die Straßen geht, dann nur im Hakenkreuz-Shirt und in Springerstiefeln – Flagge zeigen, vor allem gegen die eigenen Wurzeln. Dass diese Geschichte eines antisemitischen Neonazis von wahren Ereignissen inspiriert wurde, gestaltet die Wirkung von The Believer umso bedrückend.

Regisseur und Drehbuchautor Henry Bean, der mit The Believer den Grand Jury Price des Sundance Film Festivals gewinenn konnte, hat sich von der Lebensgeschichte des Daniel Burros inspirieren lassen. Dieser erlag der Annahme, dass seine Existenz durch den Leidensweg des jüdischen Volkes genetisch vorgeprägt wurde und alle Nachteile auf die Historie seiner jüdischen Konfession zurückgehen. Er schloss sich erst der American Nazi Party unter George Lincoln Rockwell, dem American Hitler, an um später, nachdem er Die Geburt einer Nation gesehen hat, Teil des Ku-Klux-Klan zu werden. Am 31. Oktober 1965 nahm sich der als hochintelligent beschriebene Burros schließlich das Leben. Er war seinem Hass bis zuletzt vollkommen ausgeliefert. The Believer greift diesen innerseelischen Konflikt nun auf und übersetzt ihn in die Gegenwart.

Das Beachtliche gleichermaßen Bewegende an The Believer ist die Entschlossenheit, mit der sich Henry Bean auf die innere Zerrissenheit seines Protagonisten einlässt. Anstatt sich auf einfache Antworten zu verlassen, belässt Bean es bei schwierigen Fragen und erschafft damit einen Charakter, dessen größte Angst es ist, das Gefühl der Leere für immer in sich tragen zu müssen. Sein Zorn ist das Ergebnis tiefgreifender Selbstzweifel. Er kann die Welt, seinen Glauben und sich selbst in keinen harmonischen Einklang bringen, deswegen ist die Zerstörungswut die einzige Ausdrucksform, die ihm hilft, seiner Verlorenheit ein temporäres Ventil zu verleihen. Wie Ryan Gosling diesen schwierigen Charakter zum Leben erweckt, ist ebenfalls beeindruckend: So roh wie fragil verleiht Gosling dieser ambivalenten Persönlichkeit Kontur und Kraft. Durch ihn funktioniert The Believer so blendend und vielschichtig.

Fazit

"The Believer", der zuvor unter dem Titel "Inside a Skinhead" in Deutschland vertrieben wurde, hat mehr Aufmerksamkeit verdient: Henry Bean, der sich hier von einem wahren Fall hat inspirieren lassen, lässt sich nicht zu einfachen Antworten verleiten, sondern baut auf schwierige Fragen und zeichnet das Portrait eines jungen Mannes, der die Welt, sich und seinen Glauben in keinen harmonischen Einklang bringen kann. Ryan Gosling brilliert in der Hauptrolle durch eine gleichermaßen wuchtige wie verletztliche Performance.

Autor: Pascal Reis

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