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Mitarbeiter aus der Crew von Starfotografin Laura Mars werden Opfer eines wahnsinnigen Killers. Als wäre das nicht schon schlimm genug, ist Laura mehr oder weniger immer live dabei. Denn unvorbereitet blickt sie durch die Augen des Mörders und erlebt dessen Taten hautnah mit. Das will ihr zunächst keiner glauben, bis auf Ermittler John Neville, der auch Parallelen von Laura’s Arbeiten zu nie aufgeklärten Mordfällen entdeckt…

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Quelle: themoviedb.com

Kritik

Nerd-Trivia: Was ist ein vielleicht nicht offensichtlicher, aber nahezu identischer Schritt in den Karrieren der beiden Kultregisseure John Carpenter (Das Ding aus einer anderen Welt) und Quentin Tarantino (Jackie Brown)? Um ihren großen Durchbruch zu finanzieren mussten sie eines ihrer Drehbücher verkaufen, obwohl sie es wahrscheinlich selbst gerne inszeniert hätten. Jeweils ging die Rechnung auf: Tarantino bekam mit den 500.000 $ für das True Romance-Script Pulp Fiction endgültig gestemmt, Carpenter mit dem für Die Augen der Laura Mars sein Meisterstück Halloween – Die Nacht des Grauens. Und ohne jetzt direkt Bezug auf diesen Film zu nehmen, speziell Carpenter hat damit alles richtig gemacht. Obwohl seine Version hiervon bestimmt einen ganz eigenen Reiz ausgeübt hätte. Aber alles rein hypothetisch.

Durch ihre provokanten Fotografien bestehend aus morbiden Morden und lüsterner Erotik ist Laura Mars (Faye Dunaway, Network) zum Shootingstar der Künstlerszene New Yorks geworden. Wie die Jungfrau zum Kind kamen ihr einst diese inspirierenden Geistesblitze, nun rächt sich das. Denn plötzlich werden diese Visionen sehr konkret und persönlich. Sie sieht durch eine fremde Perspektive, wie jemand Menschen aus ihrem Umfeld bestialisch abschlachtet. Ihnen sogar direkt in die Augen sticht. Als wäre es eine unmittelbar an sie gerichtete Provokation. Oder Warnung. Da diese Morde real sind. Praktisch live in ihren Kopf übertragen. Die einzige, ernstzunehmende Hilfe findet sie bei dem für „ihren“ Fall zuständigen Cop Neville (Tommy Lee Jones, Jason Bourne). Die hat sie auch bitter nötig, denn in ihrem Umfeld gibt es einige potenziell zwielichtige Gestalten und der Täter scheint sie wie ein gieriges Raubtier immer enger einzukreisen.

Ansatz und Stilistik von Die Augen der Laura Mars stellen sich als relativ interessant heraus, erscheint es doch so, als hätte sich John Carpenter kräftig vom italienischen Giallo-Kino inspirieren lassen. Schwarze Handschuhe, spitze Klingen, POV-Kills und für einen einheimischen Film erstaunlich freizügig: Das ist nicht der Slasher, den das US-Kino (auch wegen Carpenter) in der Folge etablierte, das ist ein typischer Giallo. Oder eher ein Giallo Fantastico, der eben mit übernatürlichen oder surrealen Ideen hantiert, wie hier die sonderbare Verbindung von Protagonistin Laura und ihrem unbekannten Netzhaut-Verwandten. Die Prämisse sorgt für allerhand offensichtliche und noch offensichtlichere als falsche Fährten gelegte Verdachtsmomente, ab und an aber auch für Anflüge einer spannenden Interpretation des Grundgedanken. Wenn sich Laura beispielsweise selbst als potenziell nächstes Opfer entlarvt – also sich sieht, während sie vom Killer gesehen wird  - zeigt der Film sonst zu wenig verwendete Kompetenzen („I saw him looking at me!“).

Der Rest bleibt leider eher zweckdienlich und einfallsarm, wenn auch durchgehend stabil inszeniert. Regisseur Irvin Kershner (Das Imperium schlägt zurück) ist ja mit wenigen Arbeiten quasi dafür berühmt geworden. Er dreht das solide weg, wofür der ursprüngliche Schöpfer nicht verfügbar war. Der Cast ist gar überdurchschnittlich gut. Mit der sich redlich mühenden, relativ frisch gebackenen Oscargewinnerin Faye Dunaway, neben dem noch ungewohnt Knitter-freien Tommy Lee Jones, ergänzt durch Brad Dourif (Chucky – Die Mörderpuppe) oder Raúl Juliá (Kuss der Spinnenfrau). Das ist schon alles sehr ordentlich und selbst das leicht albern anmutende Edel-Trash-Finale ist an sich nur konsequent, bezieht man den Giallo-Vergleich mit ein. Da werden die eigentlich interessanten Dinge nicht weiter vertieft, nur eine hanebüchene Begründung aus tiefster, traumatischer Kindheit ausgebuddelt, die als Allgemein-Motiv immer zünden muss. Unsinn ahoi. Somit ein brauchbarer US-Giallo-Verschnitt, der nur eben eklatant hinter seinen Möglichkeiten zurück bleibt. Das Personal ist massiv überqualifiziert und aus der Idee ließe sich selbst wenn dem nicht so wäre noch deutlich mehr machen. Nett ist das trotzdem.

Fazit

Eine typische Kosten-Nutzen-Frage: Was könnte ich, was müsste ich, was mache ich daraus. „Die Augen der Laura Mars“ ist ein wenigstens sehr interessanter und alles andere als schlechter Film, der aber wie ein gutes – oder eher faules - Pferd nicht höher springt, als es zwingend müsste. Er verfügt über eine reizvolle Idee mit Potential, ist handwerklich sehr ordentlich gemacht, darstellerisch sogar besser als nötig, aber scheint gar kein Interesse daran zu haben, diese ganzen Vorteile ernsthaft zu nutzen. Solide Kost ohne richtig nennenswerte Höhepunkte, dem damit auch das grobschlächtig-wüste Flair echter Gialli etwas abgeht. Kann man aber locker mal gucken.

Autor: Jacko Kunze

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