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Inhalt

Nachdem der kleine, gehörlose Victor (Marc Domènech) orientierungslos auf einer Landstraße gefunden wurde, wird seine Mutter Patricia (Blanca Portillo) informiert, die sich auf der Stelle auf den Weg zu ihrem Sohn macht. Bei der Polizei gibt Victor zu verstehen, dass er auf dem Weg zur Schule von einem seltsamen Mann entführt wurde. Die Polizei glaubt in Charlie (Andrés Herrera) einen Verdächtigen gefunden zu haben, da der werdende Vater gerade in finanziellen Schwierigkeiten steckt und kein Alibi hat. Als die Polizisten Charlie dennoch gehen lassen müssen, wendet sich Patricia an Victors Vater Raul (José Coronado) und will, dass er Charlie bedroht. Zu spät stellt Patricia fest, dass die Polizei sich doch geirrt haben könnte.

Kritik

Nichts ist so, wie es scheint. Eine Phrase, die sich vor allem im Thriller-Kino zum bewährten Rezept unzählige Filme auserkoren hat und unter einem landläufig bekannten Begriff die Begeisterung imposanter Zuschauerreihen für sich gewinnen kann: Der Twist. Inzwischen aber residiert diese Maxime, dem Merkmalsbereich handelsüblicher Populärdramaturgien zu entfliehen, wie sie Werke der Marke Die üblichen Verdächtigen, Fight Club und The Sixth Sense einem Massenpublikum vorgestellt haben, bequem in einem Stadium, in dem es nur noch um den Ausverkauf der eigenen Cleverness geht. Ein guter Twist allerdings zeichnet sich daraus aus, der Story ergiebig zu sein, anstatt sich aus dieser zu erheben und die Blicke vollends auf sich zu ziehen. Sinn und Unsinn wuchten in diesen verwinkelten Regionen eine große Bedeutung auf ihren Schultern.

Der Spanier Oriol Paulo, bekannt durch Filme wie The Body – Die Leiche und Der unsichtbare Gast, erfreut sich inzwischen ebenfalls einer außerordentlichen Beliebtheit, weil auch seine Form des Kinos dafür einsteht, die Dinge nicht so zu belassen, wie sie sind. Nichts ist so, wie es scheint. Dass sich jene Werke der Frage um Sinn und Unsinn gerne entziehen und dem Zuschauer Handlungsverläufe zumuten, die kein seriöser Autor jemals zu Papier bringen könnte, wird im Zuge des momentanen Hypes um Oriol Paulo gerne mal verschwiegen: Hauptsache, es geht hin und her, kreuz und quer, Kraut und Rüben. Mit Boy Missing reiht sich nun der nächste spanische Streich in die Galerie pseudo-komplexer Finten-Thriller – und passenderweise stammt das Drehbuch von niemand Geringerem als Oriol Paulo.

Der Grund, warum sich so viele Menschen auf das oberflächlich verschachtelte, in Wahrheit aber stumpf kalkulierte Bauernfänger-Handwerk seitens Oriol Paulo einlassen, ist augenfällig: Vorerst bedient er den übersichtlichen Strukturalismus des klassischen Kriminalkinos und baut auf gewichtige Emotionen, die in gekonnter Umsetzung mitreißen. Im Falle von Boy Missing wird die Anwältin Patricia (Pedro Almodovar-Schauspielerin Blanca Portillo, Volver - Zurückkehren) von der Nachricht erschüttert, dass ihr 6-jähriger, seit der Geburt taube Sohn Victor (Marc Domenech) während der Schulzeit am Waldrand entdeckt wurde, wie er orientierungslos und blutverschmiert über die Straße irrte. Der Junge ist verängstigt, Anzeichen auf Missbrauch gibt es jedoch keine. Was mit Victor geschehen ist, wird vorerst zum Motor eines traditionellen Ermittlungsprozesses, bis Oriol Paulo seine Taschenspielertricks auspackt.

Denn, natürlich: Nichts ist so, wie es scheint. Schnell wird ein Verdächtiger gefunden, der Victor entführt und in einem Haus im Wald eingesperrt haben soll. Da sich keine Beweise finden lassen, die dem Ex-Knacki Charlie (Andrés Herrera, Das Parfum – Die Geschichte eines Mörders) schuldig sprechen könnten, möchte Patricia ihm einen Denkzettel verpassen. Die Lage eskaliert und Regisseur Mar Targarona gibt seinen hochwertig produzierten Thriller ganz der Schein-und-Sein-Posse hin, für die Oriol Paulo seit Julia's Eyes mit seinem Namen steht. Selbstredend wäre es eine Lüge, Boy Missing jedweden Unterhaltungswert abzuerkennen, dennoch hat dieses über Gebühr konstruierte in Betracht ziehen aller Eventualitäten, die die (angebliche) Entführung eines Kindes umzirkeln, kaum noch etwas mit ernstzunehmenden Storytelling zu tun. Der exponierte Reichtum an Listigkeit verweist dann doch eher auf reinrassige Schaumschlägerei.

Fazit

Verfechter von Orio Paulo kommen auch mit "Boy Missing" auf ihre Kosten: Oberflächlich ist dieser von ihm geschriebene Finten-Thriller sicherlich kurzweilig konstruiert, allerdings wird es ab einem bestimmten Punkt im Handlungsverlauf äußerst kompliziert, die Umstände zu akzeptieren, mit denen "Boy Missing" aufwartet. Die gewiefte Twist-Dramaturgie ist in Wahrheit nicht mehr, als reinrassige Schaumschlägerei. Wer sich damit zufriedengeben kann, darf einen Blick riskieren, alle anderen schauen "Eine reine Formalität" von Giuseppe Tornatore.

Autor: Pascal Reis

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