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Ein gigantisches, blutrünstiges Wildschwein treibt im Outback sein Unwesen. Dadurch wird ein harmonischer Familienausflug zum Kampf um das nackte Überleben.

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Quelle: themoviedb.com

Kritik

Modernes Ozploitation-Kino oder wenigstens eine Hommage daran, damit ließe sich Boar von Regisseur & Autor Chris Sun (Charlie´s Farm) noch am positivsten Beschreiben. Das will er definitiv auch sein, versteht er sich doch offenkundig als eine inoffizielle Neuauflage vom teilweise belächelten, tatsächlich aber äußerst sehenswerten und somit überwiegend unterschätzen Wildschwein-Terror-Reißer Razorback vom späteren Highlander-Regisseur Russell Mulcahy. Damals wie heute wütet ein monströser Killer-Keiler im XXL-Format durch das australische Hinterland und zieht eine blutige Schneise der Zerstörung. Survival-Kino, Tier-Horror und reinrassige Exploitation auf Ausi-Art, das hat doch was. Und wäre Chris Sun sich bewusst, dass er leider nur ein filmemachender Fantast als ein fantastischer Filmemacher ist, dann wäre aus Boar womöglich eine recht ordentliche Liebeserklärung geworden.

Boar hat eine Stärke, die leider nur in zwei ausgedehnten Sequenzen zur Geltung kommt. Sobald das bald prähistorische Ungetüm mitten in der Nacht panische Menschen auf die Hörner nimmt, ist der Film sogar relativ gut. Immer dann, wenn er sich rein auf seine altmodische, aber liebevolle und sehr engagierte Effektarbeit beruft. Wo noch echte Attrappen grunzen, kauen und schmatzen. Das wirkt angenehm aus der Zeit gefallen, mag sogar als trashig verschrien werden, ist aber genau das Gegenteil. Feine Handarbeit, die gerade plastisch enorm Eindruck schindet. Obwohl sie nie aussieht, als wären dafür X-Millionen (nicht mal australische) Dollar verpulvert worden. Das sind die Highlights. Dagegen stehen entsprechend günstige CGI-Einlagen, sobald sich das Vieh schneller bewegen muss oder in einer dynamischen Totalen präsentiert wird. Sprich, wenn die Jaws-Taktik nicht mehr zieht. Das sieht weniger charmant aus, ist aber sogar noch recht verschmerzbar. Schließlich ist das Budget in der Preisklasse keine beliebige Variable. Darüber stolpert der Film nicht zwingend, viel mehr über das deutliche Unvermögen von Chris Sun, über 90 Minuten einen nur halbwegs brauchbaren Plot zu kreieren und selbst dieses Gerippe noch ausgewogen vorzutragen.

Zu Beginn wird eine fünfköpfige Familie eingeführt – Herr im Haus übrigens Genre-Veteran Bill Moseley (3 From Hell) -, die unmissverständlich als Protagonisten auserkoren sind. Die besuchen ihren Bruder/Schwager/Onkel-Hünen (Ex-Wrestling-Versager Nathan Jones, Mad Max: Fury Road, der auch bei seiner zweiten Karriere nur mit seinem imposanten Erscheinungsbild von fachlicher Inkompetenz kurzzeitig ablenken kann). Dieser stillt in seiner ersten Szene süße Lämmchen und wirkt dabei wie ein Stiernacken-Forrest Gump, entpuppt sich aber natürlich als ultra-harter Hund. Und zack – plötzlich sind die alle weg und tauchen im zweiten Drittel gar nicht mehr auf. Hier werden hauptsächlich gerade zum ersten Mal aufgetauchte „Figuren“ in den Schweine-Futtertrog gestopft. Das geschieht sehr drastisch und mit saftigen Schauwerten versehen, aber ist dramaturgisch ein einziges Armutszeugnis. Die Präsenz von Wolf Creek-Star John Jarratt (als einziger Mime mit einer ordentlichen Leistung) darf dabei noch lobend erwähnt werden. Im Schlussakt steht dann plötzlich diese Familie wieder uneingeschränkt im Mittelpunkt, was an sich okay ist, aber doch sehr verdeutlicht, wie sehr sie vorher vergessen wurde. Oder eher gezielt verdrängt, sonst wäre man kaum auf die üblichen 90 Minuten gekommen.

Ganz deutlich formuliert: Ohne das Schwein im unmittelbaren Nahbereich funktioniert Boar überhaupt nicht. Das Script ist ein Flickenteppich, der sich rein auf die als besonders wertvoll gekennzeichneten Momente stützt. Da wird nie ein kurzzeitig aufgebautes Tempo gehalten, manch spaßige Situationen wieder durch dilettantische Lückenfüller abgeschwächt und sogar bewusste Anflüge von Selbstironie dadurch ihrer Wirkung beraubt, dass unabsichtlich absurde Momente sie überblenden („You don’t have to talk. What is your name?“). Boar bleibt dadurch unnötigerweise saumäßiger Trash, da hier vieles sehr planlos, billig und ungeschickt durch die Gegend rumpelt, obwohl er deutlich mehr könnte. Er wäre eventuell sogar in der Lage, ein legitimer Frischling von Razorback zu sein. Am Ende ist bleibt es beim gescheiterten Versuch.

Fazit

In seinen besten Momenten ein halbwegs unterhaltsamer, wenn auch enorm grobmotorischer Pseudo-Ozploitation-Reißer mit charmanter Effekt-Arbeit, in den überwiegend schwachen Situationen mehr als dürftig. Eine gescheiterte Wiederbelebung einer viel zu selten lobend erwähnten Genre-Bewegung, die aber immerhin den Ansatz erkennen lässt. Übrigens: Unbedingt im O-Ton ansehen, die Synchro ist leider grausam.

Autor: Jacko Kunze

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