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Während des Amerikanischen Bürgerkriegs wird der Nordstaatensoldat John McBurney schwer verwundet. Mit letzter Kraft schleppt er sich auf feindlichem Boden in die Nähe eines Mädchenpensionats und wird von den Bewohnerinnen gefunden. Heimlich pflegen sie ihn gesund, doch schon bald fühlen sich die Lehrerinnen immer stärker zu ihrem Patienten hingezogen und auch die Schülerinnen können Johns Charme nicht lange widerstehen. Eifersucht und Intrigen bringen den attraktiven Soldaten jedoch in eine bedrohliche Lage.
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Quelle: themoviedb.com

Kritik

„Wenn dieser Krieg noch lange dauert werde ich noch vergessen, dass ich einmal eine Frau war.“

Mit Die Verführten ist gerade Sofia Coppola’s Adaption des Romans A Painted Devil von Thomas Cullinan in (mehr oder weniger) aller Munde. Eine gute Gelegenheit, mal (wieder) einen Blick auf die erste Verfilmung Betrogen von Routinier Don Siegel (Der letzte Scharfschütze) aus dem Jahr 1971 zu werfen. Ein Film, der trotz der erfolgserprobten Zusammenarbeit von Siegel und seinem Best-Buddy Clint Eastwood (Dirty Harry) heute relativ wenig Erwähnung findet. Vielleicht auch, da es nicht der typische Siegel/Eastwood-Stoff ist, bei dem es in der Regel eher auf kernige Männerunterhaltung hinausläuft. Mannsbilder sind hier ganz klar in der Unterzahl. Stattdessen gibt Clint den Knurr-Hahn im Korb, der sich diesmal ganz wie der böse Märchenwolf artig mit Kreide vollstopft, um als sanfter Menschenfreund, Frauenversteher und Casanova mit dem Herz aus Gold wahrgenommen zu werden…zumindest so lange, bis er sich dadurch das Ticket in die Freiheit erflirtet hat.

Der schwer verwundeter Nordstaaten-Soldat John McBurney – kurz McB – findet Zuflucht in dem kleinen, sehr ländlich gelegenen Südstaaten-Mädcheninternat von Miss Martha (Geraldine Page, Süßer Vogel Jugend), die seit dem Verschwinden ihres Bruders sich allein um die Bildung und Erziehung sechs heranwachsender Mädchen kümmert. Unterstützt von der ehemaligen Schülerin und designierten Irgendwann-Thronfolgerin Edwina (Elizabeth Hartman, Träumende Lippen) und – zwangsweise – auch von der Haussklavin Hallie (Mae Mercer, Frogs). Eigentlich gehört der Feind schnellstmöglich den eigenen Truppen ausgeliefert, diese Meinung vertritt auch Martha, gerade da ein Mann ohnehin nichts (mehr) an einem Ort wie diesen verloren hat. Es birgt nur Gefahren, besonders diese berüchtigten Yankee-Vergewaltiger, vor denen eindringlich gewarnt wird. In letzter Sekunde überlegt sie es sich plötzlich anders, sieht sie doch wie kampfunfähige Soldaten lieber die Fluchtkugel in den Rücken bewusst provozieren als menschenunwürdig in einem Verließ qualvoll zu krepieren. Also nimmt sie die eigentliche Persona non grata – sowohl von seiner Fronten- wie Geschlechtszugehörigkeit – kurzfristig auf und unter Verschluss, zumindest bis er kräftig genug ist um die drohende Kriegsgefangenschaft zu überstehen. Und dieser McB scheint gar kein schlechter Kerl zu sein. Im Gegenteil.

Die ungeteilte Aufmerksamkeit eines Großteils der beinah asexuell erzogenen Mädchen hat er eh schon ohne größeres Zutun für sich gepachtet. Aber durch seine dankbare, charmante und verständnisvolle Art gelingt es dem skeptisch betrachteten Soldaten schnell, sich bei fast jeder im Haus beliebt zu machen. Bei manchen dauert es länger, früher oder später erliegen sie aber beinah alle seinem umgarnenden Schmeicheln. Eines hat er sofort kapiert: In Zeiten wie diesen geht es ums nachte Überleben und für ihn wird es nie wieder so einfach wie in dieser, von der Außenwelt nahezu isolierten Subkultur aufkeimender, unterdrückter und verdrängter sexueller Grundbedürfnisse. Er ist die verbotene Frucht, das hübsch verpackte Weihnachtsgeschenk unterm Tannenbaum, das eigentlich für jemanden ganz anderen bestimmt ist und nicht nur dadurch unglaublich anziehend. Für den Zuschauer wird er (fast unnötig) schnell als manipulativer Lügner enttarnt, aber mit diesen kurzen Flashbacks legt Don Siegel in der Folgezeit auch so manch anderes Geheimnis offen, dass sich hinter der Fassade einer zusammengeschweißten Zweckgemeinschaft verbirgt. Und siedelt seinen Film (nicht nur, aber auch) damit in einer interessanten Grauzone an, die entgegen seines sonstigen Schaffens nicht in eine Genreschublade gehört und kaum eine Figur am Ende unbefleckt zurücklässt.

Betrogen beginnt als Kriegsdrama, eventuell eine aufkeimende Romanze/Tragödie und gipfelt in eine teilweise wirklich perfiden Psychothriller, ohne die vorherigen Ansatzpunkte als reine „Tarnung“ zu verpulvern. Man kann ihn sogar als Studie von Extremsituationen, (Insel-)Hierarchien, gruppendynamischen Prozessen, psychologischen Machtspielen oder sogar als eine Art Action-reduziertes Survival-Schachspiel betrachten. Ungewöhnlich (soll nicht abwertend klingen, aber sonst ist Don Siegel ja eher ein Freund klarer Ansagen) differenziert und ambivalent arbeitet sich Betrogen durch seine hochspannende Prämisse, auch wenn er nicht alle beherbergten Punkte komplett für sich nutzen kann, das würde wohl auch den Rahmen sprengen. Hier steckt sehr, sehr viel (Konflikt)Potenzial drin, einiges wird geringfügig angerissen, aber doch deutlich genug, dass es nicht komplett unter den Tisch fällt. Themen wie Homo-bzw. Bisexualität (zu dieser Zeit, also speziell zu der der Handlung), Inzest und sogar Pädophilie (auch wenn „nur“ als Mittel zum Zweck) werden unübersehbar gestreift, nicht konsequent ausdiskutiert, müssen sie aber auch nicht zwingend. Alles bindet diese aufgeheizte Situation, die gänzlich aus dem Ruder läuft und zu diesem unausweichlichen Ende führt, das eine Frage ganz besonders stellt: Wer ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein. Ja, es ist Krieg und so, trotzdem: Freiwillige vor…

Fazit

Komplexer als vermutet entwickelt sich „Betrogen“ zu einem subversiven und hintergründigen Thriller-Psychodrama-Sozialstudien-Crossover, das mit Szenen verblüffender Intensität aufwartet, plastisch wie psychologisch. Ein cleverer, grausamer, aber durchgehend nachvollziehbarer Nebenschauplatz eines Krieges, auf dem sich ganz andere, nicht minder brutale Schicksale abspielen.

Autor: Jacko Kunze

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