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Inhalt

Im New York des Jahres 1955 lebt Privatdetektiv Harry Angel (Mickey Rourke) sein bescheidenes Leben, als ihn eines Tages der dubiose Louis Cyphre (Robert de Niro) auf die Spur des verschollenen Musikers Johnny Favorite ansetzt. Seine Ermittlungen führen ihn bis nach New Orleans, ein gepflasterter Weg aus Leichen, dem Voodookult sowie dem dunklen Leben eines karriereversessenen Musikers - bis der Fall schließlich für Angel zu einem wahren Horrortrip wird.
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Kritik

Nach der sprunghaft ansteigenden Karriere von Mickey Rourke, der 1986 mit „Rumble Fish“ und „9 ½ Wochen“ durchgehend sein Ausnahmetalent unter Beweis stellte, ging es ein Jahr später auch schon munter weiter mit einprägsamen Auftritten – noch lange bevor Rourke seinen zwischenzeitlichen Abstieg miterleben musste. Mit dem Briten Alan Parker, der in seiner Schaffenszeit viele hochbeachtete Werke zu verantworten hatte, versuchte sich Rourke an einer Story, die Okkultes in vielen Facetten thematisierte. Der Psychothriller um den Privatdetektiven Harry Angel wurde nicht nur zum Kultfilm, sondern auch darüber hinaus ein Paradebeispiel für Stil, Suspense und düstere Abgründe.

Düster, grau und in der einzigartigen Kulisse einer okkult geprägten Stadt wie New Orleans erschließt uns Alan Parker eine stilsichere Mixtur aus Film Noir- sowie Thrillerelementen, die dem Aufspüren des Johnny Favorite viel Spielzeit einräumt. Nach der neu entdeckten Werbefilmästhetik ließ es sich Parker nicht nehmen, viele Szenen in einem künstlerisch hochwertigen Stil zu inszenieren, der dem Film Noir sehr nahe ist und trotzdem gerne mal auf landschaftlich-reale Distanz geht. Nun muss ein Film ja nicht prinzipiell immer nur demselben Stil frönen, in „Angel Heart“ sind die Unterschiede so greifbar, dass der Film nicht immer hundertprozentiges Sehvergnügen bereitet. Während die Städte noch im depressiv-dunklen Gewand eingefangen wurden, erscheinen Landschaften im Gegensatz dazu im jungfräulich-authentischen Licht. Da weiß man letztlich nicht so recht, ob man den Thriller als Ganzes annehmen kann.

 Im Einklang mit der Story ist das bestimmt nicht zu beachten. Die macht nämlich aus einer scheinbar harmlosen Detektivstory ein wahrlich höllisches Spektakel. Man wird anfangs sicherlich nicht sonderlich erpicht sein von den Umständen, die sich um die Person Johnny Favorite ranken. Vieles lässt sich höchstens erahnen, und so siecht die erste Spielhälfte auch erst so dahin. Erst später dann entfaltet „Angel Heart“ sein Potenzial, das keiner so auf der Rechnung hätte. So kennt man das jedoch von einem spannenden Roman, der in diesem Fall von Romanautor William Hjorsberg (der u.a. auch das Drehbuch zu „Legende“ schrieb) adaptiert wurde, so dass auch das Script die fein gesetzten Hinweise im dritten Akt fulminant zusammenführt. Da bedarf es schon einer gehörigen Portion Sitzfleisch, bis sich der monströse Twist letztlich ins Gehirn brennen kann.

Zum Glück arbeitet dabei die Inszenierung immer wieder mit wiederkehrenden Motiven, die Vorahnungen schüren und trotz des belanglosen Beginns dem Zuschauer leicht in den Rücken sticht. Irgendwann tritt ein Muster zutage, wenn sich Ventilatoren plötzlich rückwärts drehen, sich Harry Angel oft im Spiegel sieht oder die Namen bei näherer Betrachtung ebenfalls einen diabolischen Sinn ergeben. Anspielungen gibt es zuhauf, und die fallen vor allem zum Finale hin über den aufmerksamen Kinogänger ein. Es sei nur so viel verraten, dass die christlich-religiöse Symbolik immer wieder greifbar ist. Wer aber jedes Detail erfahren will, sollte entsprechende Vorkenntnisse mitbringen, da sich einem nicht alles erschließen mag. Wer auch noch über Sinn und Unsinn des Inhalts diskutieren möchte, wird jedenfalls eine Reise ohne Wiederkehr auffinden. Es lässt sich nicht verleugnen, dass Moral kaum vorhanden ist und sich die Story nicht mit Identifikationswerten aufhält. Der eremitierte Kontext bleibt ein Thema für sich, und wer hoffte, religiös motivierte Warnfinger zu finden, wird wohl enttäuscht sein.

So ungewöhnlich vielschichtig sich die Story offenbart, so unglaublich packend durfte sich auch der Cast in die Köpfe des Zuschauers spielen. Mickey Rourke bestätigte ein weiteres Mal, dass er zurecht als absolutes Ausnahmetalent angesehen werden durfte und packte auch in „Angel Heart“ sein vielseitiges Repertoire aus, das vom Freundlich-coolen bis hin zur absoluten Verzweiflung alle Facetten abdeckt, die der Hauptfigur mitgegeben wurden. Man dichtete dagegen dem Megastar Robert de Niro an, dass er seine Darstellung des Louis Cyphre überzogen hätte, aber sind seine kurzen wie wichtigen Auftritte so gesetzt, dass ein eventuelles Overacting nicht so sehr auffällt – schließlich wurde ihm eine Schlüsselrolle zuteil, die nicht nur Überzeugung benötigt, sondern auch das gewisse Maß an Präsenz. Eine Achtungsvorstellung darf man auch der sonst so lieblichen Lisa Bonet anheften, die vorher lediglich als Denise Huxtable in der „Bill Crosby-Show“ ganz süße Bekanntheit erlangte. Was sie hier jedoch ablieferte, kann nur als absoluter Gegenentwurf angesehen werden und unterstützte das grotesk-abgründige Bild des Filmes nur noch um so mehr.

Fazit

Was sich anfangs wie eine belanglose Suche nach einer verschollenen Person darstellt, mutiert mit einem Mal zu einem grotesk-okkulten Psychowerk. Auch wenn Alan Parkers Regie nicht durchgängig die Atmosphäre einzufangen vermag, kann man „Angel Heart“ als Genreklassiker ansehen, der an Explizität nicht spart und letztlich Züge annimmt, die dem geneigten Kinofreak aus der Hand frisst und doch keinen direkten Bezug zum Zuschauer aufbaut.

Autor: Sascha Wuttke

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