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Das Menschenkind Mogli wächst im indischen Dschungel unter Wölfen auf. Unter der Obhut des Bären Baloo und des Panthers Bagheera lernt der Junge die oft unerbittlichen Überlebensregeln des Urwalds. Die Tiere akzeptieren ihn als einen der ihren, nur der fürchterliche Tiger Shere Khan bildet eine Ausnahme. Doch vielleicht drohen Mogli sogar noch größere Gefahren im Dschungel, denn schon bald wird er mit seiner menschlichen Herkunft konfrontiert.

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Kritik

Mit den kassenträchtigen Verfilmungen von Rudyard Kiplings 1894 erschienenem Kurzgeschichtenband Das Dschungelbuch hat uns das Kino seit jeher den Stoff überreicht, der Generation um Generation vor der Leinwand sowie der Mattscheibe zusammenführt. Nicht nur der Zeichentrickklassiker aus den 1960er Jahre gilt für viele Menschen als fester Bestandteil ihrer filmischen Sozialisation, auch Jon Favreaus The Jungle Book erwies sich zuletzt als äußerst liebevoll arrangierter Blockbuster, der es sich am Box Office nicht hat nehmen lassen, die Marke von einem weltweiten Einspielergebnis jenseits der 1 Millarde US-Dollar für sich zu beanspruchen. Nachdem Andy Serkis (Black Panther) angekündigt hat, dass seine zweite Regiearbeit nach Solange ich atme ebenfalls eine Adaption von Kiplings literarischem Meilenstein sein wird, spitzten sich die Ohren filminteressierter Zeitgenossen natürlich von ganz allein.

Die Frage, wohin sich Mogli: Legende des Dschungels tonal entwickeln wird, wusste die Motion-Capture-Koryphäe indes frühzeitig zu beantworten: Düster soll er sein. So düster, wie es das hochbudgetierte Kino der Gegenwart hergeben kann. Und nachdem Warner Bros. den Film im letzten Jahr nach einem bereits angesetzten Kinostart an den Streamingdienst Netflix abgetreten hat, konnte man sich halbwegs sicher sein, dass das Dschungelabenteuer um Mogli (Rohan Chand, Jumanji: Willkommen im Dschungel), Panther Baghira (gesprochen von Christian Bale, The Fighter) und Co. von Andy Serkis nicht unbedingt den Ansprüchen erlegen ist, ein altersunabhängiges Massenpublikum zu erreichen – was Warner Bros. freilich vor erhebliche Vermarktungsschwierigkeiten gestellt hätte. Es war daher sicherlich alles andere als ein dummer Schachzug, Netflix als Distributionsplattform für den Film heranzuziehen.

Und tatsächlich: Mag sich auch Jon Favreau in seiner The Jungle Book-Vision immer wieder darum bemüht haben, finstere Auswüchse in sein ansonsten sehr farbenfrohes und quicklebendiges Szenario einzuweben, ist Andy Serkins in Mogli: Legende des Dschungels ganz und gar den dunklen Seiten verfallen. Das zeichnet sich bereits an den Umständen der ungemein ausgefeilten (Tier-)Ästhetik ab, die hier natürlich den modernsten Möglichkeiten von computergenerierten Animationen sowie dem Motion Capturing, Serkis' Königsdisziplin, unterlegen sind. Mögen die mimischen Ausdrucksformen auch immer noch bis zu einem gewissen Punkt anthropomorphisiert sein, den Niedlichkeitsfaktor der Disney-DNA aber redeuziert Serkis auf ein Minimum, was nicht nur Balu zu einem von Narben zerfurchten Geschöpf des Dschungels macht, dessen auf einer Seite markant herabhängende Schnauze von einer kräftezehrenden Vergangenheit spricht.

Allein dieser Anblick des einstigen Gute-Laune-Bärs verweist auf das wenig kindertaugliche Format, mit dem sich Mogli: Legende des Dschungels artikuliert. Die Animationen hingegen sind, wie zu erwarten, sensationell. In fotorealistischer, ungemein detaillierter Erhabenheit werden die Tiere hier lebendig und lassen gleichwohl immer ein Stück der Schauspieler erkennen, die diesen ihre Stimme geliehen haben: Vor allem Christian Bale und Benedict Cumberbatch (Patrick Melrose), der hier als Tiger Shir Khan in Erscheinung tritt, dürfen sich an dieser Stelle angesprochen fühlen. Was der Geschichte abseits ihrer majestätischen Bilder indes fehlt, ist der inhaltliche Mehrwert. War Das Dschungelbuch immer schon ein umsichtiger parabolischer Diskurs über Heimat, Identität und Andersartigkeit, wird Mogli: Legende Dschungels ob seiner bierernsten Omnipräsenz vor allem ein Kampf um das Überleben, ausgehend von den Strapazen, sich ein- und unterzuordnen.

Obgleich sich Andy Serkis auch nicht gänzlich an den Statuten des klassischen Erzählkinos verhebt, fehlt seiner sich in bisweilen bedrückender Dringlichkeit wähenden Inszenierung die Dreidimensionalität. Die Ruhe wie Besonnenheit, Charaktere zu entwickeln und ihnen nicht nur Wörter wie Angst, Andersartigkeit und Einsamkeit in den Mund (oder das Maul) zu legen, sondern diese Begriffe auch auf lange Sicht auf ihre Bedeutung und Sinnhaftigkeit zu erforschen. Nichtsdestotrotz funktioniert Mogli: Legende des Dschungels vor allem atmosphärisch, wenn man ihn denn aus der Perspektive des Survival-Kinos deutet: Denn auch wenn unser titelgebender Held, der weder Mensch noch Wolf ist und dennoch beiden Welten angehört, für den Dschungel zur Stimme des Friedens wird, muss für diesen erst reichlich Blut vergossen, jede Menge Leid ertragen und einige zermürbende Prüfungen überstanden werden.

Fazit

Mag "Mogli: Legende des Dschungels" auch nicht die erzählerische Ausgeglichenheit innehaben, die Jon Favreau im Disney-Blockbuster von vor zwei Jahren besaß, so ist Andy Serkis' Adaption des ikonischen Stoffes aus der Feder von Rudyard Kipling vor allem aus atmosphärischer Sicht ein überaus gelungener Film: Bedrückend und dringlich wird hier ein Kampf ums Überleben geschildert, der den parabolischen Mehrwert des Quellmaterials nicht einholt, aber den Dschungel nicht nur als Spielplatz, sondern als zutiefst düsteren Hort von Angst und Schrecken abbildet.

Autor: Pascal Reis

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