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Inhalt

Der pensionierte Naturforscher und Wolfsexperte Russell Core  wird von der jungen Mutter Medora Slone angefleht, im Norden Alaskas die Wölfe aufzuspüren, die ihren jungen Sohn getötet haben. Bei ihrer gemeinsamen Mission am Rand der Zivilisation entwickelt sich zwischen den beiden Einzelgängern eine merkwürdige und gefährliche Beziehung. Als jedoch Medoras Ehemann Vernon aus dem Irakkrieg zurückkehrt, treten die Neuigkeiten vom Tod seines Kindes eine Kette brutaler Ereignisse los. Während der örtliche Polizist Donald Marium alles tut, um Vernons Rachefeldzug zu unterbinden, beginnt für Core eine gefährliche Odyssee mitten ins Herz der Dunkelheit.

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Quelle: themoviedb.com

Kritik

Immer wieder berichten Menschen davon, wie sie beobachten konnten, dass Wölfe ihre eigenen Welpen bestialisch zerfleischt haben. Die Gründe für ein solches Handeln folgen jedoch einem vollkommen ökonomischen Antrieb: Wenn es zu einer Knappheit natürlicher Ressourcen kommt und der Stress im Rudel unhaltbar ansteigt, sehen sich die ausgewachsenen Tiere zum Kindesmord bezwungen. Der zoologische Fachbegriff dafür lautet Infantizid, wie der Schriftsteller Russell Core (Jeffrey Wright, Westworld) an einer Stelle des Filmes erklärt, um in der darauffolgenden Stille ebenfalls auf den Umstand zu verweisen, dass ein derartiges Vorkommnis sicherlich nicht nur ein Phänomen des Tierreiches ist. Die neue Regiearbeit von Jeremy Saulnier (Green Room) beschäftigt sich in seiner über zweistündigen Laufzeit sodann auch genau mit diesem Thema: Mensch und Tier. Gibt es da überhaupt einen Unterschied?

Glaubt man Wolfsnächte – und damit ist man sicherlich nicht schlecht beraten - dann trennen sich der Mensch und das Tier nur darin, dass der Mensch länger benötigt, um sich seiner wahren Natur bewusst zu werden. Russell Core beispielsweise ist das Paradebeispiel eines Einzelgängers, eines einsamen Wolfes, der sich mit seiner Situation nicht abfinden möchte. Als er von jungen Mutter Medora (Riley Keough, Under the Silver Lake) ein Schreiben erhält, in dem steht, dass ihr Sohn von einem Wolf gerissen wurde, bricht er in das nordalaskische Hinterland auf, um wenigstens Knochen aufzuspüren – ob diese nun von dem Kind oder dem Wolf sind, tut nichts zur Sache. Hauptsache Meodra hält etwas Zählbares in den Händen, was ihren Mann Vernon (Alexander Skarsgard, Big Little Lies) besänftigen wird, wenn dieser in Kürze aus dem Irakkrieg heimkehrt.

Soldat Vernon, den Wolfsnächte während seines Einsatzes in Falludscha etabliert und auf direktem Wege in brutaler Gnadenlosigkeit unter Beweis stellt, dass dieser Mann längst schon zu seinem animalischen Ich durchdringen ist, stellt quasi den Gegenentwurf zum sich stetig nach Zugehörigkeit sehnenden Core dar. Obgleich sich diese beiden Charaktere bereits darin einen, der selben Quelle des Seins entsprungen zu sein, sind sie ebenso Verlorene einer Welt, die sich nicht mehr entscheiden kann, ob sie noch an den Himmel glauben oder sich endgültig der Hölle verschreiben soll. Die alles verdeckende, alles zerfressende Finsternis, in die Jeremy Saulnier den Zuschauer und seine Akteure entlässt, beschrieb William Giraldi in seiner Romanvorlage bereits in adäquater Vollendung: Die Dunkelheit ist hier mehr als nur Nacht, es ist die bewusste Negation des Tages.

Man würde sich selbst keinen Gefallen tun, mit Wolfsnächte einen klassischen Survival-Thriller zu erwarten. Sicherlich spielen diese stilistischen Anwandlungen auch unter der Regie von Jeremy Saulnier eine Rolle, der hier nicht zuletzt seine Faszination für das Genre-Kino unterstreicht und knapp nach der Hälfte der Laufzeit einen sagenhaft dynamischen, sich über mehrere blutverschmierte Minuten erstreckenden Schusswechsel über den Bildschirm bersten lässt. Das Hauptaugenmerk dieses gleichermaßen kryptischen wie mythisch überhöhten Filmes allerdings liegt auf der unter die Haut der Zuschauer kriechenden Wechselwirkung zwischen den Kräften der Natur und den Menschen, die sich diesen Mächten früher oder später geschlagen geben (müssen). Mag Wolfsnächte auch die bis dato unzugänglichste Arbeit von Saulnier bedeuten, seine existenzialistische, von Erlösung, Instinkten und Depressionen berichtende Reise in das Herz der (menschlichen) Finsternis ist zweifelsohne ein suggestives Seherlebnis.

Fazit

Jeremy Saulnier bleibt auch mit seiner neuen Regiearbeit ein ungemein interessanter Filmemacher. In harter, alles verschlingender Dunkelheit spürt "Wolfsnächte" der Beziehung von Mensch und Tier nach und begeistert durch seine inszenatorische Wirkungsmacht, die den Zuschauer tief in das Herz der (menschlichen) Finsternis zieht. Sicherlich Saulniers unzugänglichster Film, aber es lohnt sich, sich dieser existenzialistischen Grenzerfahrung inmitten der ewigen alaskischen Wildnis anzuschließen.

Autor: Pascal Reis

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